Kleine Schule – Großes Engagement
 
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"Vergesst die Vergangenheit nicht. Wer die Vergangenheit vergisst, hat keine Zukunft."

​Am 3. September 2017 fand im Domremter in Magdeburg ein Zeitzeugengespräch mit Michael Goldmann-Gilead, ein Chief Superintendent a.D. , statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalts in Kooperation mit dem Institut neue Impulse Berlin. 

 

Michael Goldmann-Gilead gehörte seit 1949 der israelischen Kriminalpolizei sowie einer 14-köpfigen Spezialeinheit, die neun Monate lang mit Ermittlungen gegen den ehemaligen Obersturmbannführer Adolf Eichmann beschäftigt war, an. 

 

Er meldete sich freiwillig für diese Sondereinheit und die Gründe dafür waren einfach. Er sprach gut deutsch, war selbst als 17-Jähriger in Auschwitz und verdiente als "normaler" Kriminalpolizist zu wenig um sich ein zweites Kind leisten zu können, das er und seine Frau sich aber sehr wünschten. 

Adolf Eichmann war, wie jeder in Israel wusste, der Leiter der Hauptabteilung B4 (Judenreferat) in Berlin. In dem gegen ihn in Israel geführten Prozess (1961) hat er sich immer als Befehlsempfänger dargestellt. Schuld an der Shoah waren nach seiner Aussage seine Vorgesetzten Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Ernst Kaltenbrunner und Heinrich Müller. "Ich war eine kleine Schraube im Vernichtungsgetriebe", so Eichmann. Die Aufgabe der Sondereinheit war diese Strategie zu widerlegen und zu beweisen, dass Eichmann Befehlsgeber war.  

​Es gelang den 14 Ermittlern, auch durch Zeugenaussagen nachzuweisen, dass Eichmann seine Aufgabe die Vernichtung von elf Millionen Juden in Europa sehr ernst nahm und mit großer Entschlossenheit verfolgte. Außerdem zeigte Goldmann-Gilead eine Kopie des 12-seitigen Protokolls der Wannseekonferenz von 1942 (Endlösung der Judenfrage) bei der Eichmann nur Protokollschreiber gewesen sein wollte. 

​Im Oktober 1944 widersetzte er sich der Anordnung Himmlers die Gaskammern zu schließen (dieser hoffte auf einen Separatfrieden mit den Alliierten) und gab Rudolf Höß, dem Lagerkommandanten von Auschwitz, den Befehl, diese weiter offen zu halten. Er war überzeugter Antisemit, auch wenn er im Prozess das Gegenteil behauptete. 

Während der Verhöre wurde Eichmann die Frage nach Reue gestellt. Auf diese antwortete er, "Reue hat keinen Zweck, Reue ist für kleine Kinder.". Kurz vor seiner Hinrichtung gab er einem Geistlichen als Antwort, auf die Frage ob er nicht beichten wolle: "Ich hab keine Zeit für solche Dummheiten." - dennoch waren seine letzten Worte merkwürdigerweise "Ich war gottgläubig, ich sterbe gottgläubig."

Michael Goldmann-Gilead war nicht nur bei den Ermittlungen, sondern auch beim Prozess, der Hinrichtung, Einäscherung und Beerdigung dabei und fragt sich bis heute "von welchem Gott hat Eichmann geredet?".

Ein letzter Rat habe er dem Publikum mit. "Vergesst die Vergangenheit nicht. Wer die Vergangenheit vergisst, hat keine Zukunft."