Manchmal gibt es Abende, die noch lange nachklingen. Nicht nur wegen der Musik, sondern weil sie Menschen zusammenbringen, Begegnungen schaffen und zeigen, was eine Schulgemeinschaft gemeinsam auf die Beine stellen kann. Ein solcher Abend war das Projektkonzert 2026 des Landschulheims Grovesmühle, das am 5. Juni unter dem Motto „Let's celebrate music“ im bis auf den letzten Platz gefüllten Atrium des Gert-Ulrich-Buurman-Hauses stattfand.
Schon mit den ersten Klängen war zu spüren, dass dieser Konzertabend etwas Besonderes werden würde. Gemeinsam gestalteten die Klasse 9b, die Musikkurse der Klassenstufen 10 und 11 sowie zahlreiche Solistinnen und Solisten ein rund zweistündiges Programm voller musikalischer Vielfalt. Immer wieder sprang der Funke auf das Publikum über, das sich bei ausgewählten Liedern begeistert zum Mitsingen einladen ließ und den Konzertabend mit lang anhaltendem Applaus begleitete.
Die musikalische Handschrift des Programms trug in diesem Jahr in besonderer Weise Lenny Gößler (Klasse 9c). Mit viel Gespür für Dramaturgie stellte er das Konzertprogramm zusammen und übernahm bei zahlreichen Titeln die Soloparts. Besonders eindrucksvoll waren die lebendigen Call-&-Response-Passagen zwischen Solist und Chor, die den Liedern eine besondere Dynamik verliehen und eindrucksvoll zeigten, wie sehr gemeinsames Musizieren vom aufmerksamen Miteinander lebt.
Dass Musik an diesem Abend nur ein Teil eines größeren Ganzen war, zeigte sich in der liebevoll gestalteten Konzertpause. Während die Besucherinnen und Besucher bei Brezeln und einem Glas Sekt miteinander ins Gespräch kamen, lud die Ausstellung der Kunstkurse zum Thema „Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit“ zum Nachdenken ein. Es wurde gelobt, diskutiert, gelacht und erzählt – und genau darin spiegelte sich der eigentliche Gedanke dieses Projektkonzerts wider: Schule ist weit mehr als Unterricht. Sie lebt von Begegnungen, Kreativität und gemeinsamen Erlebnissen.
Hinter den Kulissen hatte die Klassenstufe 11 mit großem Verantwortungsbewusstsein den gesamten Konzertabend vorbereitet. Von der Organisation über die Ausstellung bis hin zur Betreuung der Gäste und dem Catering sorgten die Schülerinnen und Schüler dafür, dass der Abend für Mitwirkende und Publikum gleichermaßen zu einem gelungenen Erlebnis wurde.
Besonders eindrucksvoll gelang in diesem Jahr die Verbindung verschiedener Fachbereiche. Aus dem Ethikunterricht heraus entstanden Essays zum Thema „Freiheit“, die Tess Schröder, Lasse Keidel und Andreas Brückner dem Publikum präsentierten. Andreas Brückner entschied sich dabei für einen außergewöhnlichen Weg: Er verwandelte seine Gedanken in einen selbst geschriebenen Song. Gemeinsam mit unserer langjährigen Gesangssolistin Filine Frommknecht, die das Werk musikalisch interpretierte, entstand ein berührender Moment, der eindrucksvoll zeigte, wie kreativ sich philosophische Fragen künstlerisch ausdrücken lassen.
Mit großer Freude konnten die Besucherinnen und Besucher auch die Entwicklung unserer Schulband der Klassenstufen 7 und 8 erleben. Was vor einiger Zeit mit ersten gemeinsamen Proben begann, ist inzwischen zu einem beeindruckenden Ensemble herangewachsen. Neben eigenen Songs übernahmen Aurelia Brunner, Milan Konrad, Edvin Rohr, Nils Hartmann, Jaysen Bender, Paul Grabow und Hannes Neumann erstmals die musikalische Begleitung des Projektchores – eine Aufgabe, die sie mit großer musikalischer Reife meisterten.
Ein besonders schönes Zeichen setzte zudem unser ehemaliger Schüler Ben Menger. Als kurzfristig ein Bassist ausfiel, sprang er ohne Zögern ein und übernahm den Bassgitarrenpart. Solche Momente zeigen, dass die Verbundenheit mit der Grovesmühle nicht mit dem Schulabschluss endet. Wenn ehemalige Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen und ihr Können wieder in das Schulleben einbringen, entsteht ein Miteinander über Generationen hinweg.
Mit Charme, Witz und großer Souveränität führten Tyren Schröter, Synnöve Tilch und Miriam Wustlich aus dem Musikkurs der Klassenstufe 10 durch das abwechslungsreiche Programm. Einen wesentlichen Beitrag zum musikalischen Gesamtbild leisteten außerdem unsere Pianistinnen und Pianisten Jonathan Klapproth, Nils Hartmann, Jolina Eckert, Lucas Letian Qi und Anna Wenzel, die den restaurierten Blüthner-Flügel von 1909 mit großer Ausdruckskraft zum Klingen brachten.
Zu den besonderen Glanzpunkten des Abends gehörten die beiden französischen Chansons „Vois sur ton chemin“ und „Dernière danse“. Mit ihrer hervorragend ausgebildeten Stimme, musikalischer Sensibilität und sicherer französischer Aussprache verlieh Aurelia Brunner beiden Liedern eine außergewöhnliche Ausdruckskraft und setzte damit einen der emotionalsten Höhepunkte des Konzertabends.
Dass all dies technisch reibungslos gelang, war einmal mehr Paul-Arne Krüger zu verdanken. Mit ruhiger Hand und großer Erfahrung sorgte er dafür, dass Licht und Ton perfekt zusammenspielten – eine Leistung, die oft unbemerkt bleibt und doch unverzichtbar für einen gelungenen Konzertabend ist.
Am Ende stand nicht nur begeisterter Applaus, sondern auch ein beeindruckendes Ergebnis: 840 Euro spendeten die Besucherinnen und Besucher für die musikalische Arbeit an unserer Schule. Der Erlös unterstützt zukünftige Projekte ebenso wie die Studienfahrt der Fachbereiche Musik und Kunst im kommenden Oktober.
Was von diesem Abend bleibt, sind weit mehr als gelungene Auftritte. Es bleiben Erinnerungen an gemeinsames Musizieren, an engagierte Schülerinnen und Schüler, an kreative Ideen und an viele Menschen, die mit Herzblut dazu beigetragen haben, dass aus einem Konzert ein echtes Gemeinschaftserlebnis wurde.
„Let's celebrate music“ war deshalb weit mehr als das Motto des Abends – es war sein gelebter Gedanke. Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieses Projektkonzerts: Musik verbindet Menschen, schafft Gemeinschaft und lässt eine Schule für einige Stunden zu einem Ort werden, an dem Begeisterung, Kreativität und Zusammenhalt hörbar und spürbar werden.
Christian Hauf