Globales Lernen

Wenn ein Thema von den Vereinten Nationen als besonders wichtig eingeschätzt wird, bisher aber von den Staaten noch nicht genug dafür getan wurde, wird eine „Weltdekade“ dazu verkündet.  Die Jahre 2005 bis 2014 wurden deshalb zur Weltdekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)“ erklärt. Das Ziel ist: das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in allen Bereichen der Bildung zu verankern.

Da die Dekade sich jetzt ihrem Ende nähert, haben sich in Deutschland Fachleute, die mit der Ausarbeitung eines „nationalen Aktionsplans“ für die Umsetzung der BNE zuständig waren, in Bonn getroffen, um ein Fazit ihrer bisherigen Arbeit zu ziehen sowie eine Perspektive für die zukünftige Bildungsarbeit zu entwickeln. Die Weltdekade BNE soll nämlich durch ein auf fünf Jahre angelegtes Weltaktionsprogramm BNE (2015-2019) abgelöst werden.

In Bonn haben die Bildungsforscher als Fazit der letzten 10 Jahre festgestellt, ‚dass BNE in Deutschland kein Nischenkonzept mehr ist‘. Ihre zukünftige Aufgabe sehen sie darin, ‚den Schritt vom Projekt zur Struktur‘ zu vollziehen, d.h. sie wollen einen strukturellen Rahmen in allen Bildungseinrichtungen/Schulen schaffen, damit diese ein ‚deutlich erkennbares Nachhaltigkeitsprofil‘ entwickeln können.

Auch bei uns an der Grovesmühle ist der Aufruf der Vereinten Nationen und der UNESCO nicht ungehört verhallt. Wir haben zwar den etwas sperrigen Begriff „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ durch den Begriff „globales Lernen“ ersetzt – immerhin ein Kernelement der BNE -, das Thema Nachhaltigkeit spielt aber in unserem Schulalltag eine immer größere Rolle.

Durch „globales Lernen“ sollen die Zusammenhänge und Abhängigkeiten, in denen wir leben, verdeutlicht werden. Da die Welt im 21. Jahrhundert sehr klein und gleichzeitig unübersichtlich geworden ist, sind wir von Krisen, die sich in anderen Kontinenten ereignen, schnell selbst betroffen. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und Umweltflüchtlingen und die Anzahl von Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlingen wird auch von der Menge an Waffen bestimmt, die in Krisengebiete exportiert werden. Wir müssen uns deshalb damit beschäftigen, ob und wie wir Flüchtlinge bei uns aufnehmen. Wir sind Teil einer Weltgemeinschaft und tragen für den Erhalt der Welt Verantwortung als Bürger und als Verbraucher. Kein Kontinent kann heute seine Probleme alleine lösen. Wir haben „globales Lernen und solidarisches Handeln“ seit fünf Jahren in unseren Lehrplänen verankert und auch außerhalb der Schule Projekte durchgeführt, die wir hier vorstellen möchten.

Grovesmühle Globales Lernen
Grovesmühle Globales Lernen
Grovesmühle Globales Lernen

Das Fach Gesellschaftslehre

Das Fach Gesellschaftslehre (GL) gibt es seit dem Schuljahr 2010/11 an der Grovesmühle.

Es beinhaltet die Fächer Geografie, Geschichte und Sozialkunde und wird in der Klassenstufe 8 fünfstündig unterrichtet. Wir wollten durch die Zusammenlegung der Fächer Zusammenhänge und Abhängigkeiten, in denen wir leben, verdeutlichen, um den Schülern die Orientierung in einer immer komplexer werdenden Welt zu erleichtern. Aufgrund ihres erworbenen Wissens können und sollen die Schüler dann fundiert eigene Urteile bilden und Handlungskompetenz entwickeln. Idealerweise sollten sie auch die Gelegenheit bekommen sich aktiv für unser Gemeinwesen einzusetzen.

Das Fach ist als themenzentrierter Unterricht angelegt. Die Themengebiete wurden so ausgewählt, dass sie mit den Rahmenrichtlinien der einzelnen Fächer übereinstimmen. Es wurden inhaltlich und methodisch Schwerpunkte gebildet, wobei die Themen nach Relevanz und unter dem Aspekt des Erwerbs von Kernkompetenzen ausgewählt wurden. Um den verschiedenen Lerntypen gerecht zu werden, wurde außerdem auf Methodenvielfalt geachtet.

Ziel des fächerübergreifenden Unterrichts ist es, Lernen vielseitiger und informativer zu gestalten als das in den Einzelfächern möglich wäre. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem individuellen und selbstständigen Lernen der Schüler in Projekten. Die Schüler können nach ihrem eigenen Tempo und gemäß ihren Fähigkeiten lernen, sie können anderen helfen oder sich Hilfe suchen und haben dadurch die Möglichkeit, ein besseres Verständnis für Gesamtzusammenhänge zu erreichen.

Während der methodische Schwerpunkt beim Fach Gesellschaftslehre auf dem individuellen und selbstständigen Lernen liegt, liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf dem globalen Lernen. Wir legen in Klasse 8 den Grundstein dafür, dass sich die Schüler nicht nur mit ihrer Heimatregion Sachsen-Anhalt auseinandersetzen. Auch deutschland- und europaweite Themen geraten in ihren Blick. Und schließlich lernen die Kinder in dem Projekt „Kindheit im Norden und Süden der Erde“ den Kontinent Afrika kennen. Durch den Lernprozess beim Vergleich unterschiedlicher historischer und sozio-kultureller Lebensbedingungen auf beiden Kontinenten wird das „Eigene“ relativiert und das „Fremde“ vertrauter.

Die konkreten Themen sind im Schulinternen Curriculum GL Klasse 8 (2015) aufgeführt.

VORLÄUFIGES FAZIT

Nach sechs Jahren Gesellschaftslehre können wir die beiden Fragen: „Ist es uns gelungen, durch das Globale Lernen im Fach Gesellschaftslehre unseren Schülern Orientierungs- Urteils- und Handlungskompetenz in einer immer komplexeren Welt zu vermitteln?“ und „Haben wir dadurch einen Beitrag zur Förderung einer Nachhaltigen Entwicklung leisten können?“ mit „Ja“ beantworten. Unsere bisherigen Erfahrungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

WENIGER

Immer mehr SchülerInnen schränken den Konsum von Fleisch ein oder verzichten ganz darauf und begründen dies mit den negativen Folgen der industriellen Massentierhaltung für Tiere, Menschen und Umwelt. Unterstützt werden sie dabei durch unseren Koch, Herrn Hänel und sein Küchenteam, die das Angebot an vegetarischen Gerichten in unserer Schule seit Jahren kontinuierlich erweitert haben.

ANDERS

Durch die „Globalen Stadtrundgänge“ („Schüler führen Schüler“) hat sich bei vielen Schülern der Eindruck verstärkt, dass man als Verbraucher etwas bewirken kann und dass es Alternativen zum herkömmlichen Konsum gibt. SchülerInnen unterstützen den fairen Handel, kaufen mehr regionale Produkte und werfen weniger weg. Sie beteiligen sich aber auch an Kleidertauschbörsen oder veranstalten Flohmärkte um „gebrauchten“ Dingen einen Wert zurückgeben.

MEHR

Viele Schüler sind auch bereit, sich auch außerhalb der Schule sozial zu engagieren, z.B. bei Katastrophenhilfsaktionen oder beim Verein „Kinderhilfe für Siebenbürgen e.V.“

Die ersten Schritte auf unserem Weg zur Schaffung eines „deutlich erkennbaren Nachhaltigkeitsprofil(s)“ für die Grovesmühle liegen jetzt hinter uns. Weitere werden folgen.

Globaler Stadtrundgang 2017

Beim vergangenen "Globalen Stadtrundgang" im Februar 2017 in Wernigerode hat die Klassenstufe 12 ihren Mitschülern der Klasse 8 Aspekte der weltweiten Produktion von Gütern erklärt. Um dies zu veranschaulichen, haben die Schülerinnen und Schüler interessante Mittel, wie Schätzfragen, Quiz oder Puzzle, Probeverkostung von Schokolade oder Herstellung einer Deocreme ohne Tierversuche, eingesetzt.

Die Wertschöpfungskette haben sie dabei von der Rohstoffbeschaffung über Produktion, Transport und Konsum bis zur Entsorgung der Waren nachverfolgt sowie bestehende Ungerechtigkeiten bei Produktion und Welthandel aufgezeigt. Natürlich wurden auch auf die Alternativen für Verbraucher hingewiesen, denn man muss ja keine Kleidung kaufen, die Menschen und Umwelt schädigt, bloß weil die billig ist.

Die SchülerInnen konnten auch auf die Unterstützung der Händler in Wernigerode setzen. Tchibo erlaubte beispielsweise nicht nur die Nutzung der Stehtische, nein auch eine Aktion "fairer Kaffee" boten sie an. Dabei wird garantiert, dass der Kaffee ohne ausbeuterische Kinderarbeit gepflückt und den Produzenten ein "fairer" Preis bezahlt wurde.

Folgende Themen wurden behandelt:

  • Kinderarbeit bei der KakaoernteUmwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe bei der Turnschuhherstellung
  • Tierversuche bei der Kosmetikherstellung
  • Zunehmende Massentierhaltung und ihre negativen Folgen, bei gleichzeitigem Rückgang des Fleischkonsums der Deutschen
  • Abbau von Rohstoffen für die Handyproduktion und die Verwendung des daraus erzielten Gewinns für den Kauf von Waffen
  • Demonstration der Abmessung eines Überseecontainers, in dem ca. 1,3 Mio. Handys transportiert werden können.
  • Kleidung, die in Fabriken in Asien genäht wird, deren Fenster vergittert und Fluchtwege verschlossen sind, und die anschließend bei Primark und KiK verschleudert wird, dann in kürzester Zeit über Altkleidersammlungen nach Afrika gelangt und dort den heimischen Textilmarkt kaputt macht, mit der Folge, dass Arbeitslosigkeit und Armut weiter zunehmen.

Projekte Globales Lernen

Flucht und Vertreibung

Ausstellung der Klasse 9 "Flucht und Vertreibung, Fluchtursachen, Syrien, Irak, Afghanistan"

Kinderhilfe

Klasse 8 startet Aktionen um die Arbeit der Kindernothilfe gegen ausbeuterische Kinderarbeit zu unterstützen

Kinderechte

Klasse 9 hat sich Gedanken gemacht

Globaler Stadtrundgang 2012-2015

  • Halberstadt
  • Braunschweig
  • Wernigerode

Schmutzige Schokolade

Warum die Klasse 8b Briefe an die Nestlé Deutschland AG geschrieben hat.

Red Hand

Tag der "Roten Hand" - weltweite Protestbewegung gegen den Einsatz von Kindersoldaten.

AIDS

Facherübergreifendes Projekt über Südafrika

 

Welthungerhilfe